Neue Ideen für eine lebendige Innenstadt

 „Wir müssen das Citymanagement in Zukunft neu denken und uns endlich für notwendige und weitreichende Veränderungen öffnen“, betonte Heinz-Jürgen Wisselmann, Vorsitzender der Bürger für Rheine (BfR), beim jüngsten Treffen der Kandidatinnen und Kandidaten der Wählergemeinschaft zur bevorstehenden Kommunalwahl.

Wisselmann machte deutlich, dass sich die Innenstädte vieler deutscher Mittel- und Großstädte seit Jahren in einem tiefgreifenden Wandel befinden. Längere Leerstände und hohe Fluktuationsraten bei Geschäftsimmobilien seien ein sichtbares Zeichen dafür. „Immer mehr inhabergeführte Geschäfte ziehen sich zurück und werden durch Ladenketten ersetzt. Doch auch diese bundesweit agierenden Ketten ziehen sich inzwischen wieder aus einigen Innenstädten zurück – leider auch in Rheine“, so Wisselmann.

Nach Ansicht der BfR-Mitglieder ist diese Entwicklung vor allem auf den zunehmenden Online-Handel zurückzuführen, der seit der Corona-Pandemie noch stärker gewachsen ist.

„Keine lebendige Innenstadt durch reine Austauschgeschäfte“

BfR-Ratskandidatin Evelyn Eggenkämper schilderte die Situation in Rheine:
„Wir sehen in unserer Innenstadt, dass viele Fachgeschäfte schließen und durch Döner-Buden, Barber-Shops, Nagelstudios oder Telefonläden ersetzt werden. Auch diese Geschäfte bestehen oft nur kurze Zeit. Das kann nicht der Sinn einer lebendigen Innenstadt sein.“

Auch Ratsmitglied Detlef Weßling teilte diese Einschätzung. Er stellte klar, dass man sich von der Hoffnung verabschieden müsse, die Innenstadt eines Tages wieder so belebt vorzufinden wie vor 10 oder 15 Jahren:
„Wir müssen neue Denkweisen entwickeln, sonst laufen wir der Entwicklung hinterher.“

Als mögliche Lösung regte Weßling an, leerstehende Ladenlokale in barrierefreien Wohnraum umzuwandeln. „Es wäre zu prüfen, ob es dafür sogar Fördermittel gibt. Denn wo Menschen wohnen, entsteht auch wieder Handel.“

Mehr Grün für die Innenstadt

Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Schaffung von grünen Oasen und Rückzugsorten, betonte Wisselmann. „Davon haben wir in unserer Stadt leider viel zu wenig. Eine moderne Innenstadt braucht Orte, an denen Menschen verweilen können.“

Als Beispiel griff er den Klostergarten direkt hinter dem alten Rathaus auf. „Heute finden wir dort nur einen schmucklosen Parkplatz – von einem Garten fehlt jede Spur. Geben wir diesen Klostergarten endlich den Menschen zurück, mit viel Grün und bunten Blumen. So schaffen wir eine grüne Lunge für die Innenstadt.“ Wisselmann erinnerte daran, dass bereits der frühere Baudezernent Dr. Ernst Kratzsch ähnliche Ideen hatte.

Mut zur Veränderung

Viele gute Ansätze seien bereits vorhanden und würden von den Innenstadtakteuren – allen voran „Rheine, Tourismus und Veranstaltungen“ – engagiert vorangetrieben. „Es fehlt jedoch das letzte Quäntchen Mut, um die Innenstadt widerstandsfähiger gegen Krisen und den Klimawandel zu machen“, so Wisselmann.

Am Ende des Treffens herrschte Einigkeit innerhalb der BfR: Nur durch neue Denkansätze und mutige Entscheidungen wird Rheine auch in Zukunft eine Stadt bleiben, in die Menschen gerne kommen – und in der sie ebenso gerne leben.